21.8.2007


Ministerkarussell nimmt an Fahrt auf


Nach dem Skandal um die Vorgänge des Sächsischen Verfassungsschutzes scheint sich der Rücktritt von Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) anzukündigen. Mit dem Finanzskandal um die Sachsen LB wird auch für Finanzminister Horst Meetz (CDU) die politische Luft recht dünn. Völlig indiskutabel sind die Skandale aus dem Ressort des Justizministers Geert Mackenroth, so der Fall des Mörders Mederacke mit seinem Auftritt auf dem Gefängnisdach, und nunmehr die neuerlichen Vorfälle in der JVA Zeithain, die allerdings nicht losgelöst von der Mackenrotschen Personalpolitik betrachtet werden dürfen. Als wäre das nicht genug, kommen auf Umweltminister Stanislaw Tillich als den 4. Minister der CDU wegen des Verdachts auf Verfassungsbruch gravierende Probleme zu.

Wie lange will der sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) noch durchhalten? Neben den ewigen Querelen seiner Regierungskoalition mit der SPD und den sich fortsetzenden Skandalen, für die er sich teilweise persönlich noch aus seiner Zeit als sächsischer Finanzminister selbst verantwortlich zeigen muß, reißen die Hiobsbotschaften für Milbradt nicht ab. Die sogenannte „Revolte“ in der JVA Zeithain, die ihre eigentliche Ursache in der Personalpolitik des Justizministeriums hat, zeigt lediglich einen kleinen Ausschnitt der von Chaos geprägten Regierungspolitik. Nunmehr macht René Despang – MdL, NPD-Fraktion im Sächsischen Landtag – auf eine weitere „Ungereimtheit“ – diesmal des Sächsischen Umweltministers Stanislaw Tillich (CDU) – aufmerksam. In mehreren Anfragen (Drucksachsen 4/8279 bis 4/8281 und 4/8685) thematisierte Despang die Probleme um Neophyten (gebietsfremde Arten), die teilweise zu schweren gesundheitlichen Schäden bei der Bevölkerung führen, aber auch vor allem im Bereich der Gewässer enormen Schaden anrichten.

Tillich gab in diesem Zusammenhang auf mehrere Anfragen anscheinend unwahre Antworten, was einen Verstoß gegen Artikel 51 der Sächsischen Verfassung bedeuten würde. Darin heißt es in Absatz 1: „Fragen einzelner Abgeordneter oder parlamentarische Anfragen haben die Staatsregierung oder ihre Mitglieder im Landtag und in seinen Ausschüssen nach bestem Wissen unverzüglich und vollständig zu beantworten. Die gleiche Verpflichtung trifft die Beauftragten der Staatsregierung in den Ausschüssen.“

Selbst wenn Tillich nach bestem Wissen auf die Fragen des NPD-Abgeordneten Despang geantwortet hat – diese aber dennoch unzutreffend sind –, so stellt sich dann die Frage nach der Kompetenz von Tillich und damit die der Sächsischen Staatsregierung von Georg Milbradt. Auch im Zusammenhang mit dem Finanzskandal um die Sachsen LB, die eine kurzfristige „Hilfe“ in Höhe von über 17 Milliarden Euro benötigte, um überhaupt noch Handlungsfähig zu sein, kommt diese Frage auf.

Aber nicht nur das Herabspielen der Situation durch die CDU-Fraktion  - so nachzulesen auf deren Datennetzseiten – offenbart den Zustand. Der Vorsitzende des Haushalts- und Finanzausschusses (HFA) im Sächsischen Landtag, Ronald Weckesser (Linksfraktion), gibt nun bekannt, die Herabstufung der Kreditwürdigkeit auf ein B-Rating sei nicht so dramatisch.

Alexander Delle, MdL der NPD-Fraktion im Sächsischen Landtag und Mitglied im Haushalts- und Finanzausschuß, sagte: „Entweder wollen oder können sich die Globalisierungsextremisten nicht an den Realitäten ihrer eigenen Politik messen lassen. Daß die CDU es nicht gern hört, daß ihre gesamte Wirtschaftspolitik gescheitert ist, erst recht, was die Sachsen LB betrifft, verwundert nicht, aber es überrascht die Aussage von Weckesser. Die Sachsen LB soll zu einer Aktiengesellschaft umfirmiert werden, um „besser“ auf dem internationalen Parkett aufgestellt zu sein. Hierzu gab es unlängst eine öffentliche Anhörung im Sächsischen Landtag, der Weckesser zwar körperlich beiwohnte, aber anscheinend inhaltlich nicht folgen konnte. Dort sagte Herbert Süß, Vorsitzender des Vorstandes der Sachsen LB, daß ‚sein’ Institut an den globalen Finanzmärkten weiter wachsen will. Das Resultat liegt nun vor. Die Herabstufung auf ein B-Rating ist gleichbedeutend mit steigenden Zinssätzen, die wiederum drastische Auswirkungen auf die Kunden haben werden. Höhere Zinsen bremsen die sowieso schon sehr geringen Neuinvestitionen in Sachsen und lassen Ersatzinvestitionen verschieben oder ganz wegbrechen. Wer so kurzsichtig und beschwichtigend auftritt wie die Sächsische Regierung – wobei sich die SPD anscheinend aus Inkompetenz ganz heraushält – ist nicht befähigt, den Freistaat Sachsen zu führen. Die Skandale und Skandälchen reißen nicht ab. Da verwundert es nicht, daß Milbradt lieber durch die Lande reist und sich an haltlosen Spekulationen festbeißt, nur um von den Vorkommnissen seiner Regierungspolitik anscheinend ablenken zu wollen. Das Maß ist voll: Der Verfassungsschutz sammelt im Lande illegal erhobene Daten, das Innenministerium hat davon „natürlich“ keine Ahnung, Mörder spazieren auf Gefängnisdächern unbehelligt herum und bekommen zum Durchhalten fürsorglich lauwarmen Tee gereicht, und gleichzeitig werden bei Polizei und Vollzugsbeamten der Stellenpool in unerträglicher weise gekürzt. Daher wundert es keinen, daß sich der Justizminister hierzu ausschweigt.
Daß der Umweltminister sein Ressort nicht im Griff hat, belegt die Anfrage des NPD-Abgeordneten Despang ebenso wie der Skandal um das polnische Kraftwerk Turow. Wundert es Sie noch, daß die CDU bei dieser Sachlage einen anhaltenden Schulerschluß mit den Linksextremisten sucht? Während also im ganzen Freistaat die Krisen nicht nur schwelen, sondern sich zu Brandteppichen ausgeweitet haben, reist der überforderte „Landesvater“ in beschauliche Mügeln, um sich dort über den Ausbruch, den Verlauf und die Folgen einer deftigen Bierzeltkeilerei zu informieren. Vernünftige Bürger fordern daher schlicht die Auflösung des Kabinetts und vorgezogene Neuwahlen.

 

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